
Nachklang zum Hospiz- und Palliativtag

Sterben, Tod und Trauer gehören zum Leben. Doch in unserer Gesellschaft haben diese Themen oft wenig Platz. Mit der Veranstaltungsreihe „Hospiz im Blick“ rund um den Welthospiztag im Oktober lud das Katholische Bildungswerk Köln gemeinsam mit der Hospiz und Palliativ Arbeitsgemeinschaft Köln, HAK e.V., und dem Hospiz- und Palliativnetzwerk Köln e.V. dazu ein, Berührungsängste abzubauen, neue Perspektiven zu gewinnen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Ob wissenschaftlicher Vortrag, musikalische Lesung oder Film: Die drei Veranstaltungen näherten sich auf unterschiedliche Weise den Erfahrungen von Verlust, Abschied und Trauer. Dabei wurde deutlich: Wer über den Tod spricht, spricht immer auch über das Leben.
Trauer verstehen – neue Perspektiven entdecken
Beim Hospiz- und Palliativtag sprach Dr. Andrijana Glavas über „Trauer als Entwicklungsprozess – zwischen Spiritualität, Religiosität, persönlicher Neuorientierung und Umgang mit Wandel“. Sie zeigte auf, dass Trauer ein sehr individueller Prozess ist. Neuorientierung bedeutet dabei nicht, einen verstorbenen Menschen hinter sich zu lassen, sondern die gemeinsame Geschichte in das veränderte Leben zu integrieren. Auch der eigene Glaube kann durch einen Verlust neue Bedeutung gewinnen oder ins Wanken geraten. Trauerbegleitung heißt deshalb vor allem, Menschen auf ihrem ganz persönlichen Weg aufmerksam und einfühlsam zu begleiten.

Abschied an einem besonderen Ort
Im frühchristlichen Baptisterium am Kölner Dom las Till Eitel aus seinem Buch „Abschied – ein lyrisches Trauertagebuch“. Er gewährte einen einzigarten Einblick in seinen Trauerprozess nach dem Tod seiner Frau und zeigte so zugleich anderen, die einen Verlust erlitten haben, dass sie mit ihren Empfindungen nicht allein sind. Samuel Roth griff die Texte in musikalische Improvisationen mit Englischhorn und Gesang auf. Im Zusammenspiel mit der Lichtinstallation von Mischa Kuball entstand ein besonderen Erfahrungsraum. An diese Ort, dessen Taufbecken seit Jahrhunderten für Neubeginn und neues Leben steht, begegne-ten sich auf eindrucksvolle Weise die Themen Leben, Tod und Hoffnung. Die christliche Hoffnung auf Auferstehung gab dem Abend eine zusätzliche Dimension.
Coco – eine Geschichte über Erinnerung und Verbundenheit
Der Animationsfilm „Coco – Lebendiger als das Leben“ eröffnete einen unterhaltsamen und zugleich tiefgründigen Zugang zu Tod, Familie und Erinnerung. Er stellte Fragen, die uns alle angehen: Was bleibt von einem Menschen? Wie können wir die Erinnerung an Verstorbene lebendig halten? Und was verbindet uns über den Tod hinaus?
Eine Aufgabe für uns alle
Die drei Veranstaltungen haben gezeigt: Sterben, Tod und Trauer brauchen einen selbstverständlichen Platz in unserer Gesellschaft. Die Hospiz- und Palliativbewegung setzt sich dafür ein, Menschen am Lebensende würdevoll zu begleiten und sie nicht allein zu
lassen. Doch eine Kultur des Hinschauens, Zuhörens und Daseins ist nicht allein Aufgabe der haupt- und ehrenamtlich Engagierten. Sie ist eine Aufgabe für uns alle. Auch Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester unterstrich in seinem Grußwort zum Hospiz- und Palliativtag die Bedeutung dieses gemeinsamen Anliegens im Hinblick auf eine lebenswerte Stadt.
Dem Leben Raum geben heißt auch, Abschied und Trauer Raum zu geben. Es liegt an uns allen, eine Gesellschaft mitzugestalten, in der Menschen mit Verlust nicht allein bleiben, sondern Verständnis, Offenheit und Verbundenheit erfahren.
Isolde Roth, Katholisches Bildungswerk Köln
HOSPIZ IM BLICK
wird veranstaltet vom Katholischen Bildungswerk Köln
in Kooperation mit
Hospiz- und Palliativ-Arbeitsgemeinschaft Köln HAK e. V.
Palliativ- und Hospiznetzwerk Köln e. V.
und mit Unterstützung des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region.