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Die Welt als Gottesgeschenk

Datum:
15.04.2026
Rund 100 Menschen versammelten sich Ende März im Anton-Heinen-Haus. Sie kamen zur Auftaktveranstaltung von „Religions go green“ im Rhein-Erft-Kreis zusammen. Wir dokumentieren Dr. Martin Bökes Eröffnungsrede im Wortlaut.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, Sie alle hier im Anton-Heinen-Haus begrüßen zu dürfen zur Auftaktveranstaltung des interreligiösen Netzwerks „Religions go green“ im Rhein-Erft-Kreis.

Ich freue mich außerordentlich über die Teilnahme von Menschen aus sechs verschiedenen Religionsgemeinschaften: in diesem Netzwerk und auch heute hier sind Menschen vertreten aus jüdischer, christlicher und muslimischer Tradition, aus dem Buddhismus, dem Hinduismus und der Bahai-Religion. Im weiteren Verlauf des Programms werden wir einige dieser Menschen noch hier vorne erleben und von ihrer Motivation berichten hören, dieses Netzwerk mitzutragen.

Ebenso sehr freue ich mich über das Interesse und die Unterstützung seitens der Politik. Herr Landrat Rock, wie schön, Sie begrüßen zu dürfen und wie schön, dass Sie nachher auch zu uns sprechen werden!

Für unsere Kommunen im Rhein-Erft-Kreis begrüße ich ganz herzlich die stellv. Bürgermeisterin der Stadt Frechen, Frau Karla Palussek; und Herrn Carsten Ganser, stellv. Bürgermeister der Stadt Bergheim. Auch Sie beide werden wir nachher noch hören, worüber ich mich sehr freue!

An dieser Stelle möchte ich auch den weiteren Mitgliedern der Steuerungsgruppe meine Anerkennung und herzlichsten Dank aussprechen: Tanja Steinfort-Lecke vom Katholischen Bildungsforum Rhein-Erft, Arianita Mölder aus dem Fachbereich Dialog beim Erzbistum Köln und Dr. Werner Höbsch, DER Theoretiker und Praktiker des interreligiösen Dialogs im Rhein-Erft-Kreis. Ohne euch wäre der Grundstein für dieses Netzwerk wohl nicht gelegt worden, dafür ganz herzlichen Dank!

Ihnen allen, die Sie heute hier sind, geht es um die Sache, denn: Die Klimakrise steht nicht vor unserer Haustür, sie ist bereits über die Türschwelle getreten, ähnlich wie die Erft über ihre Ufer getreten ist nach den schweren Regenfällen im Jahr 2021. Viele weitere Veränderungen und Ereignisse kleinerer und größerer Art ließen sich hinzufügen. Wir wollen jedoch in unserem Netzwerk nicht in Pessimismus und Weltuntergangsstimmung verfallen. Wir wollen auch nicht darüber streiten, ob sich die globale Temperatur um ein halbes Grad mehr oder weniger erhöht, ob es künftig gar keinen Schnee im Winter mehr geben wird oder sehr viel, ob Starkregen oder Dürre unsere Sommer prägen werden – oder beides. Wir wollen als Netzwerk nicht entscheiden, ob es mehr Windräder hier oder dort braucht, ob Technologien fehlen oder schon längst da sind, oder ob man Menschen zu einem Balkonkraftwerk raten sollte.

Die Mitglieder des Netzwerks haben sich deshalb zusammen-geschlossen, weil sie es in ihrer jeweiligen religiösen und kulturellen Tradition als ihre Verantwortung empfinden, sich um die Erde, auf der wir alle leben, zu kümmern – im Kleinen, Alltäglichen, ganz konkret. Die drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam eint der Glaube daran, dass die Welt von Gott geschaffen und den Menschen geschenkt wurde – und ein Gottesgeschenk verpflichtet zu einem guten Umgang. Bahai, Buddhismus und Hinduismus sind stark geprägt von Gleichgewichtsvorstellungen. Es wird gleichsam als göttlicher Auftrag verstanden, das Gleichgewicht zu halten und Dinge nicht aus dem Gleichgewicht geraten zu lassen. Auch hieraus lässt sich eine Verantwortung für die Welt ableiten.

Angesichts der Klimakrise wollen Menschen aus den genannten sechs Religionen, gemeinsam mit allen Menschen guten Wilens, noch deutlicher als bisher klarmachen, wie sie ihrer Verantwortung für die Schöpfung, der Verantwortung, Dinge nicht aus dem Gleichgewicht geraten zu lassen, nachkommen wollen. Sie wollen zeigen, was sie in ihren religiösen, kulturellen Netzwerken bereits tun, und sie wollen neue Aktionen im Rhein-Erft-Kreis gemeinsam ins Leben rufen, konkret und vor Ort. Act local, think global!  

Warum nun die Fokussierung auf „Religions go green“? Warum nicht “Rhein-Erft-Kreis goes green“ oder „Society goes green“? Gesamtgesellschaftlich besitzt das Thema Klimakrise doch gewisse Sprengkraft. Zwar würde fast jeder zustimmen, dass es etwas zu tun gibt, aber doch bitte nicht bei mir, fangt doch erstmal bei den anderen an – das bekannte NIMBY-Phänomen, Not in my backyard! 

Aus unserer Sicht bieten sich gerade Religionsgemeinschaften dazu an, als Orte der Verhandlung gesellschaftlich polarisierter Themen zu dienen. Sie bieten sich deshalb an, weil sie über soziale Ressourcen wie Vertrauen, Gemeinschaft und Werteorientierung verfügen. Der unlängst verstorbene Philosoph Jürgen Habermas konstatiert zudem, dass sich in modernen, säkularen Gesellschaften „jeder generell verbindliche Begriff vom guten und exemplarischen Leben entzieht“, in den „heiligen Schriften und religiösen Überlieferungen“ jedoch sich über Jahrtausende wach gehaltene „Intuitionen von Verfehlung und Erlösung“ wiederfänden, also in religiösen Traditionen wichtige ethische Maßstäbe zu finden sind.

Religionsgemeinschaften haben eine intrinsische Motivation aus ihren religiösen Überzeugungen heraus zur Bewahrung der Schöpfung und des Gleichgewichts. Sie haben aber auch eine extrinsische Motivation, sind sie doch als wichtige Akteure der Zivilgesellschaft auch hier in die Verantwortung genommen, an wichtigen Stellen gesellschaftliche Diskurse aufzunehmen und konkret die Dinge anzupacken.

Aus Sicht unseres Netzwerks ist in unserer pluralen Gesellschaft im Rhein-Erft-Kreis, aber auch in einer globalisierten Weltgesellschaft sowohl der Einsatz für den Schutz natürlicher Ressourcen und Lebensräume als auch der Dialog zwischen Religionen, zwischen Weltanschauungen und Kulturen Friedensarbeit! 

Konflikte entstehen um Ressourcen und Konflikte entstehen um Ideologien. Wir erleben es im Kleinen und wir erleben es, wenn wir die Nachrichten einschalten. Wenn wir als Religionsgemeinschaften also gemeinsam Projekte angehen, so dient das dem Zweck der Projekte – es fördert aber auch den Austausch untereinander, man lernt sich gegenseitig kennen, baut Vorurteile ab, lernt voneinander und geht Schritte auf einem gemeinsamen Weg des Miteinanders. Wir wirken in konkreten Umweltschutzprojekten und wir wirken im Sinne einer gesellschaftlichen Kohäsion, die in unseren Zeiten mehr denn je herausgefordert ist. Salopp formuliert, schlagen wir mit diesem Netzwerk also mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe!

Unser heutiger Abend teilt sich auch in zwei Teile auf. Im ersten Teil werden wir von der Motivation hören, die Angehörige verschiedener Religionsgemeinschaften zur Mitwirkung in diesem Netzwerk veranlasst; und wir werden aus der Politik hören, welche Erwartungen an Religionsgemeinschaften als zivilgesellschaftliche Akteure gerichtet werden. Im Zweiten Teil laden wir herzlich zu Austausch und Begegnung ein. Dazu haben die Religionsgemeinschaften im Foyer Stände vorbereitet, an denen bei einem Imbiss Näheres zu Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes aus religiöser Tradition heraus erfahrbar gemacht wird.

Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Ihnen allen – und vielleicht in der Zukunft noch mit weiteren Menschen guten Willens – ganz konkret Dinge anzupacken und Projekte umzusetzen. Ich wünsche uns allen einen interessanten Abend voller neuer Einsichten, netter Begegnungen und zündender Ideen für künftige Projekte.

Impressionen von der Auftaktveranstaltung

8 Bilder

Vertreterinnen und Vertreter von 6 Religionen, lokale Akteure und viele Gäste trafen sich im Anton-Heinen-Haus. Hier ein paar Eindrücke von dem bunten und vielfältigen Abend.